28.01.08

Tim Lobinger ist der erste deutsche Sechs-Meter-Stabhochspringer. Am 24. August 1996 überwandt er in Köln erstmals die magische Höhe, ehe es ihm 1999 in Oslo noch einmal gelang. Der heute 35-Jährige, der im Herbst vom ASV Köln zur LG Stadtwerke München wechselte, gilt als „Enfant terrible“ der Szene und hat in seiner Karriere nie ein Blatt vor den Mund genommen. Im folgenden Interview spricht er über seine Ziele für das „3. International Athletics PSD Bank Meeting Düsseldorf 2008“, Olympia in Peking und die WM 2009 in Berlin, die schönsten Momente seiner Karriere und die jungen Wilden, die der arrivierten Stabhochsprung-Gilde um Lobinger und dem WM-Dritten Danny Ecker (Leverkusen) im Nacken sitzen.

Tim Lobinger ist beim PSD Bank Meeting<br> 2008 in Düsseldorf am Start

Tim Lobinger: beim PSD Bank Meeting
2008 in Düsseldorf am Start

Die Hallensaison ist noch jung. Sie haben sich in Südafrika vorbereitet. Wie fit sind Sie für das Düsseldorfer Meeting?
Tim Lobinger: „Die Zeit in Südafrika war wie in den letzten Jahren unvergesslich schön und sportlich sehr wichtig. Die eigentliche Arbeit lief jedoch in München ab, denn dort habe ich zuvor harte zwölf Wochen Wintertraining absolviert. Im Vergleich zu den Jahren 2004, 2005, 2006 und 2007 bin ich deutlich besser. Und zwar in Bezug auf nahezu alle Trainingsinhalte. Somit sollte ich für Düsseldorf ein wahrer Jungbrunnen sein.“

In den beiden vergangenen Jahren waren Sie Sechster und Dritter in Düsseldorf. Ein Sieg fehlt Ihnen noch. Wäre das ein gutes Ziel für den Start beim 3. PSD Bank Meeting 2008?
Lobinger: „Ein Sieg in Düsseldorf würde mir sicherlich gefallen. Das Meeting ist gewachsen und hat deutlich an Bedeutung gewonnen. Außerdem wird es sogar live in Südafrika übertragen und dort wäre die Freude über meinen Sieg sicherlich groß.“

Planen Sie die Teilnahme an der Hallen-WM in Valencia?
Lobinger: „Keine Ziele heißt immer keine Motivation. Und ich bin sehr motiviert. Valencia ist eine pulsierende Stadt. Dort holte ich mein erstes Gold. Viva Valencia.“

Sie sind mit 6,00 m immer noch deutscher Freiluft-Rekordhalter. Nur Danny Ecker 2001 in der Halle schaffte einen ähnlichen Höhenflug. Wie wichtig ist Ihnen der Titel Deutscher Rekordler?
Lobinger: „Der Titel ist mir wichtig. Der Rekord hat zehn Jahre gehalten.
Auch wenn dieser gebrochen wird: Ich bleibe als erster deutscher 6-Meter-Springer immer ein Teil der Sport-Geschichte. Rekorde, Titel, Springer, sie kommen und gehen.“

Die Sechs als erste Zahl an der Anzeigetafel ist für einen Stabhochspringer etwas Besonderes. Beschreiben Sie doch einmal die Magie der sechs Meter.
Lobinger: „Die Magie ist, sechs Meter zu springen, nicht darüber zu reden.
Ich habe mir diesen Traum mit 24 Jahren erfüllen können. Und ich träume weiter.“

Fast jeder Sportler hat einen „Erzrivalen“, mit dem er sich während der gesamten Zeit duelliert. Wer ist das bei Ihnen?
Lobinger: „Ich habe in meiner langen Karriere viele Springer und Talente überlebt. Rivalen sind keine Kraftquellen. Ich schöpfe aus tieferen Quellen Kraft. Duelle führe ich mit mir selbst. Ich gewinne, ich verliere.“

Die Konkurrenz im Stabhochsprungland Deutschland ist immens. Es gibt die Arivierten mit Ihnen, dem WM-Dritten Danny Ecker, dem Hallen-EM-Dritten Björn Otto, Lars Börgeling und Richard Spiegelburg. Zudem drängen zahlreiche ‚junge Wilde’ von hinten nach. Alle wollen zu Olympia nach Peking und zur WM 2009 nach Berlin, doch nur jeweils Drei dürfen. Welche Strategie verfolgen Sie, um dabei zu sein?
Lobinger: „Ich habe eine Strategie. Eine sehr gute. Ich sehe keinen Grund für Zweifel und Sorge. Ich springe in diesem Jahr sehr hoch. Reden und Prognostizieren überlasse ich den anderen.“

Wem trauen Sie von den Jungen zu, der nächste Überflieger und womöglich eines Tages Ihr Nachfolger als deutscher Rekordler zu werden?
Lobinger: „Jeder Springer jenseits der 5,50 m hat meine Bewunderung. Jeder ist besonders und auf seine Art und Weise einzigartig. Und gleiches gilt für mich.“

Gibt es einen Moment in Ihrer Karriere, den Sie gerne noch einmal erleben möchten?
Lobinger: „Die Zeit, in der Vergangenheit zu schwelgen und Geschichten zu erzählen, ist noch nicht reif. Ich bin mitten im Sportlerleben. Viele Momente sind einzigartig, und viele werden noch folgen.“

Zurück zu unserer Veranstaltung in Düsseldorf. Sie waren bei beiden Leichtathletik-Meetings dabei. Was zieht Sie immer wieder hierher? Was verbindet Sie mit dieser Stadt?
Lobinger: „Düsseldorf ist sicherlich Teil meines sportlichen Lebens. Und als Landeshauptstadt auch Teil meines privaten Lebens. Ich bin gerne in der Stadt, ob auf ein Alt, zum Bummeln, Ausgehen oder zu meinen sportlichen Aktivitäten.“